Nicht Taufen: Religionsfrei und doch ausgegrenzt?

Nicht Taufen? Tue ich mir da einen Gefallen?

Wer sein Kind ganz normal kirchlich taufen lässt, wird bestimmt nicht gefragt werden: Sag mal, wieso lässt du dein Kind eigentlich taufen? Eine Taufe wird ja allgemein mit etwas gutem in Verbindung gebracht. Aber was ist wenn man sein Kind bewusst nicht taufen lässt?

Da ich selbst bereits mit 15 aus der katholischen Kirche ausgetreten bin, war für MEINE Eltern wohl schon klar, dass wir unsere Kinder nicht taufen lassen würden: Nur die Familie meines Mannes meinte, wir sollten uns das nochmal überlegen und ob es nicht doch „besser wäre“.

„Besser“ für wen? Oder für was? Um „dazu zugehören“ oder nicht „anzuecken“. Alles Gründe aus denen meine Mutter sich damals dafür entschied uns = meine Zwillings-Schwester und mich in dem kleinen bayerischen Ort in welchem wir lebten, taufen zu lassen.

Glaube vs. Vereinsmitgliedschaft?

Es ist schon krass, durch die Taufe hat man quasi eine lebenslange Vereinsmitgliedschaft. Ungefragt und teilweise auch ungewollt. Und falls man aus dem Verein austreten möchte, zahlt man sogar noch eine Bearbeitungsgebühr: Als ich damals mit meinen 15 Jahren nach dem „Austritt“ vom Gemeinde-Büro zurück kam, lief das Gespräch in etwa so: „Papa, das Austreten hat € 30,- gekostet!“ Er: „Soll ich es dir wieder geben?“ Ich: „Ne, das war es mir wert.“

Versteht mich nicht falsch: Ich glaube an eine göttliche Kraft die uns lenkt. Ansonsten wäre das Leben ein Zufall und diese Vorstellung ist so traurig, dass ich das nicht glauben will. Aber ich finde Religion ist etwas persönliches, spirituelles und sollte nicht an „weltliche Dinge“ geknüpft sein. Meine Mutter hat ihren Glauben im Buddhismus gefunden und ich im Paganismus. Und der Glaube sollte auch nicht Voraussetzung dafür sein an einem bestimmten Ort arbeiten zu dürfen:

Denn ich interessierte mich nach meiner Ausbildung in meiner Job-Findungs-Phase sehr für ein freiwilliges soziales Jahr und hatte mich in einem Altenheim, eines (wie sich später herausstellte) evangelischen Trägers vorgestellt. Die Dame, die das Seniorenheim führte, teilte mir mit, dass ich schon eine Konfession haben müsste. Ob nun katholisch oder evangelisch sei zwar egal, aber ohne Konfession hätte sie ein Problem. Ein Problem? Wegen eines freiwilligen sozialen Jahres???

Es kam dann sowieso nicht dazu, aber es gibt immer wieder solche Fälle zum Beispiel in Erziehungs-Einrichtungen o.ä. wo ich mich frage: Geht’s noch? Es gibt laut Grundgesetz eine RELIGIONSFREIHEIT und eigentlich darf es nicht sein, dass Menschen auf Grund ihrer Konfessionsfreiheit (ehemals Konfessionslosigkeit) diskriminiert werden.

Probleme, wenn man sein Kind nicht taufen lässt?

Noch gab es für unsere Kinder keine Probleme. Die Große ging in unserem alten Wohnort ein Jahr lang in einen katholischen Kindergarten und nun gehen beide in einen evangelischen Kindergarten. Auf dem Land hat man leider keine große Auswahl und die städtischen Kindergärten sind oftmals schlechter. Bei den Kindern ist es in solchen Einrichtungen anscheinend noch egal, ob sie eine Konfession haben.

Klar haben die Mädels dann auch irgendwann das Tischgebet oder Lieder wie „Jesus liebt mich“ und „Gott liebt alle Kinder“aus dem Kindergarten mit nach Hause gebracht und ich sehe das  total locker: So gesehen wachsen sie ja NICHT ohne Religion auf. Und das sollen sie ja auch gar nicht. Nur möchte ich sie nicht in eine Glaubensgemeinschaft zwingen. Dies sollen sie einmal selbst entscheiden können.

Und ob das mit 14 Jahren (dem Alter ab dem die Religionsfreiheit beginnt) schon so sinnvoll ist weiß ich nicht: Wir dürfen erst mit 18 Wählen gehen, Verträge abschließen und uns tätowieren lassen, aber wir sollen uns schon mit teilweise 0 Jahren an eine Religions-Gemeinschaft binde, weil man das halt so macht?

Wie es nächstes Jahr wird, wenn die Große in die Schule kommt? Ob es dort Ethik-Unterricht gibt als Alternative zum Religions-Unterricht? Bei Sari von Heldenhaushalt.de, deren Artikel „Warum unsere Kinder nicht getauft sind“ mir den Mut und auch den Anlass gegeben hat diesen Beitrag zu schreiben, gibt es in der Grundschule nur den Religions-Unterricht und da heißt für sie „Wenn wir das Kind nicht für den Religionsunterricht anmelden wollen, würde es für diese Zeit irgendwo in einer anderen Klasse untergebracht werden.“ Diese Kinder werden also abgestellt und ausgegrenzt?

Religionsfreiheit und Ausgrenzung

Ausgrenzung darf nicht sein! Es sollte die Wahl geben: Für ein Schulfach das sich der Menschlichkeit widmet und Religionen (ALLE Religionen!) neutral behandelt: ETHIK. Ich finde es auch nicht richtig, dass ein religiöses Symbol einer bestimmten Religion, das Klassenzimmer schmückt, indem sich Schüler und Lehrer verschiedener Religionen aufhalten um zu lernen und zu lehren. Und zwar auch über das Grundgesetz inkl. der Religionsfreiheit. Ihr merkt: Das passt irgendwie nicht zusammen!

In Italien hat eine Mutter sogar schon ein Gerichts-Urteil gegen das Kreuz im Klassenzimmer bewirkt, welches später aber widerrufen wurde, mit der Begründung: Das Kreuz sei ein „passives Symbol“. Was ist denn bitte ein passives Symbol? Ein Symbol ist ein Symbol, eben weil es eine Bedeutung hat. Wenn man wirklich die Toleranz unter den Religionen fördern will, sollte man ein Poster mit verschiedenen religiösen/weltanschaulichen Symbolen im Klassenzimmer aufhängen. Was meint ihr?

Religionen Symbole

Na, findet ihr ein Symbol das zu eurer Weltanschauung/eurer Religion passt oder habt ihr eine ganz andere Ausrichtung bzw. Einstellung zu dem ganzen Thema? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Link-Party

Im Nachhinein habe ich micht enschlossen hier noch eine Link-Party einzufügen. Also wenn ihr selbst einen Artikel zum Thema „Taufe“ schreiben möchtet oder schon geschrieben habt, seid ihr herzlich dazu eingeladen mir euren Link zu schicken. Über einen Backlink freue ich mich natürlich auch. So können wir auch gerne die andere Seite beleuchten: Eltern, die sich bewusst für eine Taufen entscheiden, auch wenn sie zum Beispiel nicht religös sind:

Stadtpapa Blog – Eine Verteidigung der Taufe

Rubbelbatz – Namensgebungsfeier als Alternative

 

Alles Liebe, eure

Ella von Herzkindmama.de

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