Kinderbrille – dem Sehfehler auf der Spur

Posted on 5. August 2018 in Kinderbrille

In jungen Jahren erzielt man durch die Sehfehler-Korrektur mit Hilfe einer Kinderbrille noch die besten Resultate. Dennoch sieht man relativ wenig Kinder, die eine Brille tragen. Ein Fehler der Eltern oder des Systems? Ich habe heute Micha von @papa.papa.kind im Brillentalk.

Hallo Micha, ihr seid eine Regenbogenfamilie und eure Tochter ist ein Pflegekind. Kam sie ohne Brille zu euch?

Ja, sie ist mit 4 Jahren zu uns gekommen, und auch uns ist ihre Sehschwäche nicht aufgefallen, sie hat sehr gut kompensiert. Erst im Nachhinein konnten wir uns die ein oder andere Unsicherheit (z.B. beim „Mäuerchen-Laufen“) erklären.
Als sie die Brille hatte, war es sehr auffällig: „Papa, ruf die Feuerwehr, da kommt Rauch aus unserem Haus“: Es war der rauchende Schornstein, den sie zuvor nie gesehen hatte.

In den Vorsorgeuntersuchungen ist ein ordentlicher Sehtest beim Augenarzt nicht vorgesehen. Ein Systemfehler?

Wir hatten hier tatsächlich Glück, auf eine sehr kompetente Kinderärztin zu treffen: Da das U-Heft sehr lückenhaft und der Impfstatus unklar war, haben wir nach der Aufnahme einen großen Check gemacht. Dabei hat die Kinderärztin auch ein Augen-Screening-Gerät verwendet, das den Hinweis gab. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Test zum allgemeinen Standard gehört – falls nicht, sollte er es werden. (Nein und er ist teilweise auch kostenpflichtig, Stand 2018)
Einen Systemfehler finde ich eher die Dichte und Verfügbarkeit von Sehschulen: Nach Tipp der Kinderärztin, einen Augenarzt zu konsultieren, warteten wir 2 Monate auf den Termin (bei der schnellsten Praxis im Umkreis). Und obwohl ich bei Terminvereinbarung das Geburtsdatum meiner Tochter angegeben hatte, saß unser 4-jähriges Kind auf dem Stuhl, und sollte die Öffnungsrichtung eines „E“ erkennen.
Mal abgesehen davon, dass sie zu der Zeit bei Aufregung oft in den Habitus und Intellekt einer 2,5jährigen fiel, fand ich die Aussage der Arzthelferin „Sie hätten schon sagen müssen, dass das Kind nicht lesen kann“ bemerkenswert.
Der nächste freie Termin in einer richtigen Kindersehschule im Umkreis von 80 km war dann knapp 5 Monate später. Erst dann gab es die ordentliche Austestung der Sehschwäche und ein entsprechendes Rezept.

Wie schwer war es für euch, dann damit eine gute Kinderbrille zu bekommen?

Gar nicht: Wir wohnen auf dem Dorf, ein guter Bekannter ist Optiker, und somit hatten wir eine vertraute und gute Beratung.

Hat das Tragen der Brille immer gut funktioniert?

Vom ersten Tag an freiwillig: Morgens das erste, das sie macht – abends da letzte, das sie macht.

Hat sich die Sehkraft eurer Tochter durch die Kinderbrille verbessert?

Nein, aber auch nicht verschlechtert. Aber sie ist um die Okklusionstherapie herum gekommen (=regelmäßiges Abkleben des besseren Auges, um das Schwächere zu trainieren). Dies stand zu Beginn noch im Raum.

Was wünscht ihr euch in Bezug auf Kinder & Brillen in Zukunft?

Screening beim Kinderarzt, sofern nicht sowieso schon Standard. Vor allem aber: Mehr Sehschulen, um schneller einen Termin zu erhalten.
Beim Kinderarzt leider noch nicht Standard. Der absolute Ausschluss einer Sehschwäche kann bei Kindern nur mit vorherigem Eintropfen der Augen getroffen werden. (mein Stand 2018)
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