Kinderbrille – Erfahrungsbericht #1

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Was erwartet Eltern, deren Kind eine Brille bekommt? Welche Anforderungen gibt es an eine Kinderbrille? Wie beeinflusst die Brille den Familienalltag? Fragen über Fragen, auf die ihr in meiner neuen Blog-Reihe „Kinderbrille“ hoffentlich ein paar Antworten finden werdet.

Und ich starte diese gleich mit dem Interview einer Mama eines besonderen Brillen-Kindes: Die liebe Martina, die auf Jolinas Welt bloggt, durfte ich im Rhein-Main-Blogger-Cafe dieses Frühjahr bereits persönlich kennen lernen. Und freue mich nun sehr über ihre Bereitschaft mir Rede und Antwort zum Thema „Kinderbrille“ zu stehen.

Stelle dich und deine Familie bitte einmal kurz vor:

Wir sind Jolina (7) mit dem „kleinen Extra Chromosom“ (=Down-Syndrom) und der Grund wie ich zum bloggen kam, Louisa (10) verrückt nach tanzen und immer in Bewegung, der Papa (50+) der dem ganzen Trubel gelassen gegenüber steht und seit kurzem Gleitsichtbrille trägt, jaja das Alter und dann noch ich, Martina (irgendwas über 30, weit über 30 hahaha), die Wahnsinnige die hinter dem Familienblog Jolinas Welt steht.

Hast du auf Grund der Behinderung von Jolina schon damit gerechnet, dass sie eine Brille brauchen wird?

Ich hatte es befürchtet, denn die meisten Menschen mit Down-Syndrom laufen mit Brillen rum, meist ziemlich schlecht sitzend. Dann sah es aus als wäre es nicht nötig, dann abkleben und dann doch, bääääm, Mist 🙁 Ich fand das damals natürlich gar nicht schön und hatte so gehofft, dass Jolina keine Brlle braucht.

In welchem Alter wurde deiner Tochter die erste Kinderbrille verschrieben?

Mit 2 3/4 reichte das Abkleben nicht mehr und sie bekam am 24.12.2011 die erste Brille. Zuerst wegen des Schielens, inzwischen kann man aber auch richtig messen und sie ist ganz schön weitsichtig.

Fühlt ihr euch bei eurem Optiker gut beraten?

Unser erster Optiker hat den Laden nach einem Wasserschaden geschlossen und ging in den Ruhestand, er hatte sehr viel Ahnung von Kinderbrillen und auch von den typischen Merkmalen des Down-Syndroms und wie man da an einer Brille „schrauben“ muss, dass sie gut sitzt und nicht von der nicht vorhandenen Nase rutsch. Er führte auch die Spezialbrillen für Menschen mit Down-Syndrom genannt „Specs4us“ die kommen aus den USA und mit 170 Euro für das Gestell ist man da dabei aber sie sitzen wie eine 1, nur sie sind jetzt nicht gerade super modern.
Der neue Optiker, der uns empfohlen wurde ist auch toll und um einiges weniger auf Profit aus wie der bisherige, unsere Beraterin wollte mal Heilerziehungspflegerin werden und kennt sich mit Kindern mit Behinderung aus und hat eine Engelsgeduld und möchte, dass diese Kinder mit Brille nicht noch behinderter aussehen, was leider manchmal vorkommt. Ich frage mich was diese Eltern reitet.

Brillenkind transparent logo

Wie war die Anfangszeit mit der Kinderbrille?

Hölle! Hahaha, es dauerte wirklich lange bis die Brille mal länger als wenige Minuten auf der Nase blieb. Die ersten beiden Brillen waren ständig verbogen, mussten immer wieder zurecht gebogen werden und auch wenn es immer hieß „Dieses Mal bricht der Bügel ab“ hat der Optiker es immer wieder hin bekommen.

Gibt es eine lustige Geschichte aus eurem Brillen-Alltag?

Mindesten 2 die man erzählen muss. Nr. 1: Wir haben ein Trockner-Rohr das im Garten aus der Erde kommt. Jolina wirft da öfter mal Steine rein. Irgendwann war sie wieder mal ohne Brille, führte mich aber auf drängende Nachfrage zu dem Rohr, puh, dank der Steine war die Brille noch erreichbar hängen geblieben und dort hätte ich im Leben nicht gesucht.

Nr.2: Jolina kam ohne ihre Brille aus dem Kiga. Der Kindergarten siebte den kompletten Sand und durchwühlte die Herbstblätter, die Busfahrerin stellte den Bus auf den Kopf. Nichts, die teure Specs war weg und wir kauften genau die gleiche nochmal und ließen sie rosa einfärben. Nach einem halben Jahr tauchte die Brille im Bus, bei einem Routinecheck zwischen den Schienen für die Schiebetür wieder auf. Danach trug Jolina ihre Brille im Kiga nur noch im Innenbereich weil die Erzieherinnen keine Lust mehr auf Sandsieben hatten 😉

Lasst ihr die Brille auch mal zu Hause und habt ihr eine Versicherung?

Inzwischen hat Jolina keine Sportbügel mehr und trägt sie nicht mehr beim Sport und auch am Strand nicht. Wir haben eine private Krankenzusatzversicherung die zahlt 150 Euro wenn der Kopf wächst, bzw die Stärke sich ändert, eine reine Brillen-Versicherung haben wir nicht, ich lebe manchmal gerne voll auf Risiko.

Wer putzt wie oft die Brille und mit was? Wie ist da eure Routine?

Jolina kann es noch nicht selbst. Der Papa ist der Brillentuch-Typ, ich eher die von gestern, ich putze Brillen immer unter fließend Wasser zur Not mit etwas Spüli und danach mit einem Baumwolltuch trocknen. Jolinas Brille ist ständig verschmiert, ich frage mich oft wie sie durch das „Milchglas“ überhaupt noch was sieht, doch wenn es zu trüb wird zieht sie die Brille einfach ab.

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Welche Tipps hast du für Eltern auf die das Thema „Kinderbrille“ zukommt?

Wichtig ist, dass die Brille a) sitzt und b) zum Kind passt. Nicht jede Brille und sei sie noch so Hipp und chic am Nachbarskind passt zum eigenen Kind. Wir haben z.B. das Problem, dass Jolina einen sehr flachen Nasenrücken hat und tiefer sitzende Ohren, da ist schon Geschick vom Optiker gefragt, dass nicht ständig über den Rand geschielt wird. Auch haben wir ganz trendige Gestelle probiert und fest gestellt, dass Jolinas Gesicht einfach zu zart ist und die Brille zu dominant wäre. Es gibt auch die Möglichkeit ein Metallgestell umzuspritzen, so wie ein Auto, wir hatten so eine und es ist nie etwas abgeblättert und man merkte absolut nichts.

Sportbügel – ja oder nein?

Meine Antwort ist jein, für jüngere Neubrillen-Kinder sind die toll, doch wenn der Kopf wächst ist man oft sehr schnell an der Grenze und die Brille passt nicht mehr weil sie drückt, wir sind jetzt zu normalen Bügeln gewechselt und die Brille sitzt trotzdem wie eine Eins. Natürlich sollte das Kind auch gefragt werden, allerdings sollte man regelnd eingreifen, haben wir auch und so fand Jolina die Brille die am besten für sie war plötzlich auch am Schönsten, als Eltern muss man oft auch top Verkäuferqualitäten haben.

Hier findet ihr den letzten Brillen-Artikel über Jolina’s neue Brille. Vielen Dank liebe Martina, für die tollen Einblicke in euer Leben mit Kinderbrille. Und wenn du, liebe(r) Leser(in), auch ein Brillen-Kind hast und bei meiner Blog-Interview-Reihe mitmachen möchtest, melde dich einfach bei mir per eMail oder über die vorhandenen sozialen Netzwerke. Ich freue mich noch auf viele andere Erfahrungen 🙂

Ella von Herzkindmama.de

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