Bodyshaming stoppen

Immer wieder gerate ich in unschöne Diskussionen, wenn ich aktiv auf Bodyshaming aufmerksam mache. Und das traurige dabei ist, dass sich die Gesprächsgruppe jedesmal auf die Seite des Bodyshamers schlägt, weil Bodyshaming gesellschaftlich anerkannt ist.

Zuletzt ging es dabei um ein junges Mädchen, was mich richtig traurig macht. Ihr wurde von einer nahestenden Person gesagt: „Du musst dir mal die Beine rasieren.“ Ich habe der Person und dem Mädchen gesagt, dass sie eine schöne Beinbehaarung hat und es jedem Menschen frei steht, diese zu entfernen oder zu lassen.

Es wäre ja nur witzig gemeint gewesen, lenkte die Person ein. Also erklärte ich, dass ich solche Art von Frauen-Witzen nicht gut finde: Männer müssen sich natürlich nicht die Beine rasieren. Das Gespräch wurde beim Abendessen von der Person selbst wieder aufgerollt und ich wurde von anderen Gesprächsteilnehmern als „übertreibend“ angegangen.

Du bist wohl unzufrieden mit deinem Übergewicht!

In einer anderen Gesprächsgruppe erzählte eine Gesprächsteilnehmerin etwas über eine Person, von der sie den Namen nicht mehr wusste und sagte dann „der Dicke“. Als ich sie darauf aufmerksam machte, dass dies die Person auf ihr Gewicht reduziert, lief das Gruppengespräch darauf hinaus, dass ich ja augenscheinlich mit meinem eigenen Übergewicht unzufrieden wäre.

Das „Aufmerksam machen auf Bodyshaming“ wird also mit Bodyshaming beantwortet? Da sieht man wie tief Bodyshaming in unserer Gesellschaft verankert ist.

Ich vermisse den Zusammenhalt, wie ich ihn einmal in meiner Schulzeit gespürt habe. Damals hatten wir einen neuen Schüler in unserer Jahrgangsstufe, der sämtliche Mädchen als dick bezeichnet hat. Wir haben ihn dann gemeinsam zur Rede gestellt. Heraus kam, dass er an seiner früheren Schule selbst gemobbt wurde, weil er dick war und vor dem Schulwechsel sehr viel Gewicht verloren hatte.

Menschen die Bodyshaming ertragen mussten, werden oft selbst zu Bodyshamern und der Teufelskreis schließt sich. Deshalb werde ich nicht aufhören, auf Bodyshaming aufmerksam zu machen. Und ich hoffe mit diesem Bericht zu sensibilisieren. Außerdem möchte ich euch den Film „Embrace“ ans Herz legen, der momentan (unbezahlte Werbung) kostenlos auf Amazon Prime zu sehen ist.

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